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Filmkritik2.7.2026

Filmkritik: Obsession - Du sollst mich lieben

Wenn Ihnen jemand einen billig aussehenden Zweig in einer Papierschachtel in die Hand drücken und Ihnen sagen würde, dass sich Ihr Wunsch erfüllt, wenn Sie ihn zerbrechen und dabei laut aussprechen, was Sie sich wünschen – wie würden Sie reagieren? Vielleicht würden Sie die Augen verdrehen oder nachsichtig lachen. Vielleicht würden Sie es aber auch nur zum Spaß versuchen. Oder aus Verzweiflung. Umso größer wäre dann aber die Überraschung, wenn sich Ihr Wunsch zu erfüllen begänne. Und der Preis dafür würde sich erst später zeigen. Bears Wunsch ist eigentlich einfach und doch der komplexeste von allen. Die Liebe seiner Kollegin, in die er hoffnungslos verliebt ist…

Derzeit erleben wir eine Ära, in der Low-Budget-Filme, gedreht von „unerfahrenen“ Regisseuren, Hollywood buchstäblich erobern und neben begeisterten Zuschauerresponsen auch hervorragende Einspielergebnisse erzielen. Perfekte Beispiele dafür sind etwa „Iron Lung“, „Backrooms“ oder eben „Obsession“. Möglicherweise wird dadurch auch ein wenig neu definiert, was das Publikum von Filmen erwartet. Das bedeutet nicht, dass Blockbustern mit riesigen Budgets der Garaus gemacht ist, dennoch handelt es sich um ein interessantes Phänomen. Aber ist die Geschichte über diese verzehrende Liebe gelungen?

Schon der Titel des Films lässt vermuten, dass ein solcher Wunsch wohl keine besonders angenehmen Assoziationen wecken wird. Wir bekommen eine bis zum Absurden getriebene, aber im Grunde doch glaubwürdige Darstellung einer unnatürlichen, leidenschaftlichen Besessenheit von einer anderen Person, die in Schmerz, Leid und Gewalt ausartet. „Obsession“ ist eigentlich nicht besonders beängstigend, vielmehr zieht sich wie ein roter Faden die ganze Zeit über ein unangenehmes Gefühl der Unruhe und Unsicherheit durch den Film, das sich immer weiter zuspitzt. Das Verhalten der beiden Hauptfiguren lässt einem stellenweise einen Schauer über den Rücken laufen. Sei es Nikkins wahnsinnig ungesunde Fixierung auf ihren Freund oder Bears Wegsehen angesichts der Absurdität ihres Verhaltens. Praktisch ununterbrochen wächst in uns die Gewissheit, dass das einfach nicht gut enden kann.

Wer aus der Besetzung wirklich herausragt, ist Inde Navarrette als Nikki, der es brillant gelungen ist, den Kontrast einzufangen, wenn sie sich von einem normalen Mädchen in die titelgebende, besessene Figur verwandelt. Und das ist auch gut so, denn der Film steht und fällt eigentlich mit ihrer schauspielerischen Leistung. Genauso wie mit der Grenze zwischen dem, was noch echte Liebe ist, und dem, was es nicht ist. Gerade diese Grenze zwischen etwas Gesundem, Normalen und dem Wahnsinn ist hier ebenfalls ein Leitmotiv. Auch wenn es Horrorszenen gibt, verstärken diese eher die angespannte Atmosphäre und das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Dieses Gefühl wächst zudem exponentiell, je instabiler sich Nikki verhält und je mehr Bear begreift, dass sein Wunsch in Erfüllung gegangen ist und dass sich dessen Auswirkungen und Folgen vielleicht nicht ganz rückgängig machen lassen, selbst wenn er es denn wollte…

Wenn sich eine rein platonische Beziehung plötzlich in eine geradezu rasend leidenschaftliche Zuneigung seitens einer Person verwandelt, die diese bis dahin nicht gezeigt hat, könnte es zunächst so aussehen, als handele es sich um einen erfüllten Traum. Leider sollten unsere Träume manchmal vielleicht doch … Träume bleiben. „Obsession“ hätte sich durchaus in einen übernatürlichen Slasher oder ein B-Movie-Gorefest verwandeln können. Trotz gewisser „magischer“ Elemente geschieht dies jedoch nicht, und der Film bleibt auf dem Boden der Tatsachen. So entfaltet sich ein Genre-Mix, der vor allem von schwarzer Komödie und Horror geprägt ist, und der Film besticht bei weitem am stärksten durch seine hervorragend geschriebenen Dialoge und seine intimen, exzellent gespielten Szenen. Das Problem liegt für mich beim Haupthelden, für den ich nur schwer Sympathie aufbringen konnte.

Obwohl der Kern der Geschichte unoriginelle und typische Motive einer „Affenfalle“-Geschichte enthält, in der gut gemeinte Wünsche schrecklich schiefgehen, ist der gesamte Film hingegen originell konzipiert – und zwar sehr. Nach dem Anschauen nahm ich ein starkes Erlebnis und eine ebenso starke Unsicherheit mit, wie ich den gesamten Film eigentlich bewerten soll. Auch wenn ich nicht gerade begeistert war, handelt es sich definitiv um ein gelungenes und moralisch ambivalentes Spektakel, bei dem Humor oder Brutalität nicht immer ganz perfekt funktionieren. Curry Barker ist zweifellos ein vielversprechender junger Filmemacher, von dem wir in Zukunft noch Großes erwarten können. Reinen Schrecken oder Horror sollte man in diesem Fall jedoch nicht erwarten…

David Krabec

UNSER FAZIT

„Obsession“ ist ein sehr gelungener Psycho-Horrorfilm, der gekonnt eine spannende Atmosphäre aufbaut und selbst in Momenten, die der Zuschauer bereits erwartet, noch überraschen kann. Ich kann den Film auf jeden Fall empfehlen.

80%